Konzertbericht Bootleg 29.9.: Harmful & Ray Wilson -by ommtom-
Wahrlich ein denkwürdiger Abschluss des Bootlegs. Unterschiedlicher hätten die beiden Musikrichtungen kaum sein können, die heute in so kurzer Zeit das Underground mit Songs beschallten. Leider, kann man fast sagen, denn der überwiegende Teil des Publikums ist wohl entweder für Harmful dagewesen oder für Ray Wilson - aber selten für beide. Nun, keine Regel ohne Ausnahme, denn ich bin ja dagewesen. Mit Hörunterstützung eines guten Freundes aus den Gummersbacher Studentenzeiten. Über die erste Band fiel unser Urteil einstimmig aus. Ray Wilson war ihm dann doch etwas zu ruhig :) Aber zum Thema:
Harmful ist es schon, was die Ohren da aushalten müssen, denn Harmful sind live sehr laut und druckvoll. Wenn man sich aber drauf einlässt und den Ohren trotz des selbstschützenden Zuklappens gestattet mal zu verfolgen welche Klänge die Instrumente verlassen und beim Zuhörer ankommen, wird man überrascht feststellen, das da echte Könner am Werk sind! Respekt, ich habe selten so ausgefeiltes Bassspiel miterleben dürfen. 1a Unterstützung kam auch vom Drummer rüber, der mit gekonntenTempiwechsel und interessanten, oft überraschenden Musteränderungen der Musik den nötigen Kick gibt, damit die "Schreierei" (Begleitmusik?) des Sängers eben nicht bloss Gegröhle ist. Ach so, der Sänger bedient gleichzeitig noch die nötige Gitarre, die mit Notenquerschlägern, die aber immer als gewollt erkannt werden können, das Klangspektakel abrunden. Die gekonnte Bassarbeit gibt der Musik den punkigen Einschlag, die sie vom schnöden Hardrock unterscheidet, obwohl man es ohne Übertreibung hart nennen kann. Aber zur negativen Seite: Harmful sind weniger als CD-Band oder Aufzeichnung zu empfehlen. Hingehen und live hören kommt mit viel mehr Spass daher, als die Studioaufnahmen erst vermuten lassen. Allein dem Bassisten und Drummer bei der Arbeit zuzusehen macht schon Spass. Und Headbanging, das sich vom Sänger auf das Publikum überträgt, darf bei dieser Art von Musik natürlich nicht fehlen. Gunnar und ich haben uns je eine CD nach dem Konzert von Harmful zugelegt. "Counterbalance" und "wromantic" Trotz des live verdammt genial gespielten Jonny Cash Covers, welches sich auf der "wromantic" befindet schneidet die "Counterbalance" mehr harmful ab. Empfehlung: Lauft in einen Plattenladen, der reinhören läßt und zieht euch die "Counterbalance" mal in Ruhe rein. Kann überzeugen!
Es fällt mir verdammt schwer, Ray Wilson hier zu bewerten. Mmmmh, dann fange ich mal mit den leichten Sachen an, der Rest kommt dann schon...
Ray Wilson ist für mich ohne Frage eine der grossen Stimmen des "ruhigen Rocks" und rangiert mit dieser Eigenschaft irgendwo knapp im Schatten von Chris Thomson oder Paul Carrack. Entsprechend meiner Sängerauswahl hier im Vergleich, fällt auch die Stilrichtung der Musik aus. Ruhiger Rock, die aktuellen, eigenen Songs deutlich ruhiger als die interpretierten Stücke fremder Feder. So gibt er gerne als damaliger Sänger von Stiltskin einige der Stücke zum Besten. Auch wenn er nicht an den Stimmumfang von Peter Gabriel rankommt - Biko live zu hören, ist auch von Ray Wilson mit Band ein Erlebnis. Dazu gesellen sich noch ein paar Genesisstücke und andere grosse Songs, denen die Stimme Ray Wilsons immer genug mitgibt, um das Publikum mit auf die musikalische Reise zu nemen. Aber so gut er und die Band interpretieren, so hölzern wirken die eigenen Songs. Zu Beginn des Auftritts hat man das Gefühl bis auf die Stimme, die immer eine Ausnahmestellung einnimmt, es mit einer Schülerband zu tun zu haben. Zu gelangweilt klingen die paar Töne die den Bass verlassen. Zu mechanisch das Schlagzeug. Auch das Gitarrengeschrammel a la Lagerfeuerromanik will nicht so recht erfreuen. Nee das iss nix, dachte ich mir. Bis, ja bis er "Inside" aus seiner Stiltskin-Zeit anstimmte. Sofort änderte sich die Stimmung der Band. Das zog mit! Es folgten weitere Interpretationen mit ebensoguter musikalischer Leistung. Das Eis war gebrochen. Auch eigene Lieder, die immer eingestreut das Programm ausgesuchter Stücke verbreiterten konnten, gefallen. Sehr schön fand ich, dass es stilistisch oft variierte. Die "leisen Stücke" kamen z.B. mal mit Akkordeonbegleitung daher, welches ungemeines Feingefühl für den Song bot. Und solo vorne nur mit Gitarre bewies Ray Wilson, das er sich auch nicht zu verstecken braucht - klasse gesungen und gespielt! Eben nur mal ruhiger als der übliche Rock. Fast zu kurz kommt ja hier in diesem Bericht der Rest der Band. Nun denn: Starke stimmliche Unterstützung lieferte Amanda Lyon, vor allem im Gabriel Song mit Übernahme des schwierigen weiblichen Gesangparts. Aber in den komplizierteren Stücken, die interpretiert wurden, konnten die anderen Musiker den Eindruck der Schülerband zurückweisen. Der Bassist konnte ja doch mehr als Einschlafdudelei! Auch verschlungenere Fudeleien waren nun vom Gitarristen zu hören. Schön so.
Mein Fazit: Die Aufzeichnung lohnt auf jeden Fall für Leute, die auch mal leisere Seiten in sich entdecken. Die ersten Songs des Bootlegs kann man das Aufzeichnen vergessen, aber punktgenau mit "Inside" der Stiltskins sollte man den roten Knopf am Videorekorder gefunden haben, denn ab dann wird es richtig gut. Eine Band für die leisen Töne im Leben.
--
Empfehlungen:
(O=War nix, Om=Na ja, Omm=Ok, Ommm=Holla, doch mehr, Ommmm=Spitze!)
Musikalisch:Omm
Performance:Ommm
Sound:Ommm
Konzertempfehlung:Omm
Sendung aufzeichnen: Ommm
---
OmmTom (29.9.2003)
hinzugefügt: September 30th 2003
Tester: OmmTom
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
